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Radtour 8-2019 Auf dem Elbe-Radweg nach Hamburg

Die Elbe ist neben dem Rhein und der Donau der bekannteste Strom in Deutschland. Genau genommen ist er ein mitteleuropäischer Strom, denn er entspringt in Tschechien, fließt durch Deutschland und mündet in die Nordsee. Die Elbe ist 1.091 Kilometer lang, der Anteil Deutschlands beträgt 727 Kilometer.

Die Menschen in den Siedlungen entlang der Elbe nutzten den Fluss in den vergangenen Jahrhunderten zum Flößen, zum Betreiben von Mühlen, zur Trinkwasserversorgung, als Nahrungsquelle, als Transportweg und zur Abwasserbeseitigung. Zum Leben an der Elbe gehörte aber stets auch die Hochwassergefahr – und dass diese auch in der heutigen Zeit noch nicht gebannt ist, zeigte das verheerende Hochwasser des Jahres 2002.

Es gab auch eine Zeit, da war die Elbe wie die Mauer in Berlin ein Symbol der europäischen Teilung. Auf 94 Kilometern bildete sie bis 1989 die innerdeutsche Grenze. Dies ist aber nunmehr 30 Jahre her und die Elbe teilt nicht mehr; sie fließt durch ein wieder vereintes Deutschland.

Entlang dieses Flusses verläuft auf fast seiner gesamten Länge einer der beliebtesten Fernradwege Deutschlands – der Elbe Radweg!

Nachdem wir bereits im September 2018 auf diesem Radweg-Klassiker von Glöwen über Havelberg südwärts nach Lutherstadt Wittenberg fuhren, war in diesem Jahr vom gleichen Ausgangspunkt die Tour in fünf Tagesetappen nordwärts nach Hamburg geplant. Die Tour startete am Montag, den 2. September und 14 Teilnehmer waren dabei. Es war im Wesentlichen die gleiche, gut harmonierende Gruppe wie bei den 5-Tage-Touren der Jahre zuvor.

Wir übernachteten in Wittenberge, Dömitz, Boizenburg und Hoopte. Die Etappen waren auf durchschnittlich 50km begrenzt, weil wir - bis auf auf Hoopte - in jedem Übernachtungsort vormittags Besichtigungen/ Führungen hatten und deshalb jeweils nur halbe Tage gefahren sind. Besonders interessant waren die Führung im museal aufbereiteten ehemaligen Singer-/ Veritas Nähmaschinenwerk in Wittenberge mit seinem bekannten Uhrenturm und die Führung durch die wunderschöne Altstadt von Boizenburg einschließlich Fliesenmuseum. Durchaus sehenswert auch die Burganlage in Dömitz, die wir eigenständig erkundeten.

Die Abende verbrachten wir in geselliger Runde in zuvor reservierten Gaststätten in den Übernachtungsorten.

Ein Wort zum Wetter: Wir hatten wieder einmal Glück! Die Befürchtungen, nach der langen Schönwetterperiode zuvor nun eine Regenwoche zu erwischen, traten nicht ein. Sicher, am ersten und zweiten Tag nieselte es etwas und wir hatten an allen Tagen mehr oder weniger Wind von vorn. Lediglich am vierten Tag von Boizenburg nach Hoopte war der Gegenwind recht stark und böig und es gab gegen Mittag kurze, heftige Regenschauer. Dennoch kamen alle am späten Nachmittag - zwar recht abgekämpft - aber wohlbehalten im Hotel an. Am Abend bei leckerem Essen und Bier war dann alles wieder gut…

Eine Episode an diesem vierten Tag auf der Fahrt nach Hoopte ist unbedingt erwähnenswert: Zirka zwei Stunden nach dem Start in Boizenburg hatten alle das Verlangen nach einer Pause, möglichst in einem Imbiss oder einer Kaffeestube, also möglichst im Trocknen, denn die ersten Regenschauer kündigten sich an. Im Ort Tespe, den wir als nächsten erreichen würden, war eine Gaststätte auf der Karte verzeichnet, die aber – so mussten wir nach unserer Ankunft verdrießlich feststellen – noch nicht geöffnet hatte…und es fing gerade an zu regnen…Neben der Gaststätte befand sich eine Boutique für Damenbekleidung mit dem passenden Namen „Frauenzimmer“ und auf unsere schüchterne Frage, ob wir uns dort unterstellen und vielleicht auch einen Kaffee bekommen könnten, bewirtete uns die Inhaberin Frau Mahr bereitwillig mit Kaffee, Kuchen und Keksen. Somit saßen wir dort dankbar in gemütlicher Runde und konnten die Regengüsse abwarten. Nach gut einer Stunde waren die Regenwolken verschwunden, der Himmel wieder blau und wir traten – dem immer noch heftigen Wind tapfer die Stirn bietend - die Weiterfahrt an, aber nicht ohne uns nochmals herzlichst bei Frau Mahr zu bedanken und einen angemessenen „Obulus“ zu hinterlassen, denn eine solche Hilfsbereitschaft ist wirklich nicht selbstverständlich!

Ähnliches erlebten wir übrigens auch am ersten Tag im Storchendorf Rühstedt, wo wir um die Mittagszeit ratlos vor verschlossenen Türen der dortigen Gaststätte standen und im Storchenmuseum mit einem kleinen Imbiss versorgt wurden. Das sind dann so die kleinen, aber schönen Erlebnisse am Rande…!

Der fünfte Tag schließlich von Hoopte nach Hamburg einschließlich Fährfahrt über die Elbe war ausgesprochen entspannt. Kaum Wind, schönes Wetter. Unsere planmäßige Rückfahrt mit dem Zug von Hamburg Hauptbahnhof nach Berlin war um 14:20Uhr angesetzt. Die Strecke war deshalb mit 26km recht kurz gehalten, um vorher noch etwas Zeit zum Bummeln durch die Innenstadt zu haben. Wir erreichten Hamburg Hauptbahnhof früher als geplant und entschieden nach einem Blick auf den Fahrplan, auf einen Bummel durch die Stadt zu verzichten und stattdessen einen Zug früher zu nehmen. So kamen wir zwei Stunden früher als geplant am frühen Abend wieder in Berlin an und es bleibt allen die Erinnerung an eine schöne Radtour durch eine herrliche Landschaft, hübsche Ortschaften, an gesellige Abende und schöne Erlebnisse am Rande.

Manfred Jahns

 Fotos (Rosi Diesing)

Die Gruppe auf dem Gelände des ehemaligen Singer-/ Veritas-Werkes
Burg Dömitz
Unterwegs am Deich
Boizenburg
Boizenburg
Im „Frauenzimmer“
In Hoopte mit der Fähre über die Elbe